Gesundheitspflege - Wie kann das gehen?
Heute sammeln sich um das Thema Gesundheit die unterschiedlichsten Ansichten, die den interessierten Laien wohl eher verwirren als aufklären. Sich hier um eine unvoreingenommene Sicht auf die Dinge zu bemühen ist aber auch nicht wirklich jedermanns Sache denn wir haben es hier mit einer äußerst fein verwobenen Angelegenheit persönlicher Absichten, seelischer, geistiger und körperlicher Gegebenheiten bis hin zu unbewussten Verhaltensstrategien zu tun. Und das ist absolutes Privateigentum. Wirkliche Gesundheit, das muss man mal in den Raum stellen, wer hat da eigentlich ein ungeteiltes Interesse dran, ohne jegliches "ja, aber"? Eine wirklich profunde Gesundheitspflege setzt die Bereitschaft voraus, sich mit allen möglichen persönlichen Lebensfaktoren auseinanderzusetzen und mit ihnen ins Reine zu kommen.
Im Rahmen meines Sportstudiums beschäftigte ich mich besonders mit den Themen, die auf Prävention und Rehabilitation ausgerichtet waren. Ich selbst, zu jener Zeit recht traditionell Kung Fu trainierend, war beeindruckt von den asiatischen Theorien über die "Einheit von Geist und Körper" und dem damit verbunden Mensch- und Weltbild. Ich überprüfte die neuen "westlichen" Präventionsansätze auf ihre Inhalte und es drängte sich mir der Eindruck auf, als würde seitens der Sportwissenschaften und der Sportmedizin versucht werden, das Rad neu zu erfinden.
Gesundheit ist eine Frage von Stoffwechselfunktionen. Diese werden durch das vegetative Nervensystem gesteuert. Das vegetative Nervensystem verfügt über zwei Schaltungen, den Sympatikus- und den Parasympatikusreiz. Welche "Schaltung" gerade benutzt wird hängt davon ab, was wir tun, denken und fühlen. Der Sympatikus stellt die Stoffwechselfunktionen auf einen Arbeitsmodus, der Parasympatkus auf Rekreation. Alle Zustände, die mit einer Erhöhung von Atemfrequenz und Pulsschlag einhergehen, gehören zur Schaltung Sympatikus. Diese bauen Energiereserven ab. Verlangsamung hingegen füllt leer geräumte Depots auf. Wie sieht das beim Sport also aus? Auch wenn's Spaß macht? Überhaupt sind Leistungsspitzen im Sport in der zweiten Lebenshälfte zu meiden.
Wesentlich konstruktiver neueste Forschungsprojekte der Neurowissenschaften und der gesundheitsorientierten Psychologie: Diese (westlichen) Wissenschaften weisen nach, dass sich transzendente, also unser Alltagswachbewusstsein durchdringende und auflösende Praktiken auf alles, was wir tun und lassen, positiv, konstruktiv und eben auch gesundheitsförderlich auswirken. Nicht nur auf uns selbst sondern auch auf unsere Mitmenschen. Und sie weisen nicht nur nach, dass es so ist, sondern auch, wie es funktioniert.
Einen gesunden Körper zu beurteilen, damit kommen wir so im Allgemeinen ganz gut zurecht. Aber einen gesunden Geist zu ermessen, das wird schnell anmaßend. Die Neurowissenschaften helfen hier sachlich weiter, indem sie messen, welche Neurotransmitter vom Gehirn freigesetzt werden bei positiven oder negativen Gedanken, z.B. bei der Beurteilung eines halbvollen, b.z.w. eines halbleeren Glases: Die Neurotransmitter der guten Gedanken wirken helfend, die der schlechten behindernd auf die Körperfunktionen ein. Die Gedanken, die mir in den Kopf kommen sind Resultate meiner Grundemotionen. Hier z.B. die Emotion: Ich habe nicht genug. Und was ist wann wirklich genug? Und so geht das mit allen Gefühlen, das weiß jeder Mensch, mit Angst, mit Aggressivität, mit Traurigkeit u.s.w.
Gesundheit und Krankheit sind in letzter Konsequenz gefühlte Werte und von daher nicht objektivierbar, werden also von jedem Menschen selbst beurteilt. Dennoch ist dieser Raum nicht frei von Markierungen, Grenzen und Gesetzen. Die Kunst besteht darin, frei schwebend die richtige Temperatur, Spannung oder wie man es nennen möchte, einzustellen. Bezugspunkt ist dabei nie ein Anderer. Es ist dein eigenes Gestelltsein in die Welt. Mühelose Beweglichkeit z.B. in allen Haushalts-, Berufs- und Freizeitfragen sollte bis zum Alter von 60-70 Jahren ohne Einschränkung gegeben sein. Alles andere ist Fehlwirtschaft.
Die Frage nach dem konkreten Zusammenspiel einer wirklich umfassenden Gesundheitspflege, die also Körper, Denken und unser Bewusstsein betrifft, erfassen unsere westlichen Präventionsansätze praktisch nicht. Sie fokussieren auf Teilgebiete, verbinden sie wenn, dann nur sehr vordergründig. Der klassischen chinesischen Medizin ist Gesundheit seit 5000 (fünftausend!) Jahren Gegenstand empirischer Forschung. Die hieraus entwickelten Konzepte verschmelzen alle brauchbaren Komponenten um praktisch das Ziel zu verfolgen: Werde alt, aber nicht gebrechlich!

