Die Übungen
Die Suche nach den treffendsten Übungen ist über 5000 Jahre alt. Die Übungen wurden im Laufe dieser Zeit also 200 Mal von Meister zu Schüler weitergegeben und auch die Meister tauschten untereinander ihr Wissen aus. So unterlagen die Übungen ständigen Optimierungsprozessen und es entstand eine Synthese, die alle Anteile, die sich für die Organisation von Gesundheit als brauchbar erwiesen, integrierte. Alle Übungen, die ich unterrichte, habe ich direkt von asiatischen Meistern gelehrt bekommen oder sind aus einem bestehenden öffentlichen Fundus (Büchern) übernommen. Die Übungen entstammen vorwiegend der Richtung Yangsheng Daoyin deren bekanntester Vertreter Professor Zhang Guande (Peking) ist, von Professor Jiao Guorui (zeitweiliger Repräsentant der bonner Gesellschaft für Qigong) oder aus der einschlägigen Literatur, Josefine Zöllers Buch "Das Tao der Selbstheilung" allen voran.
Qigong ist nicht gleich Qigong. Übungsleiter oder Meister vermitteln immer eine persönliche Interpretation, indem sie Wert auf bestimmte persönliche Vorlieben legen. Meine Übungen tragen die Färbung der Tam Dao Kampfkunst in sich. Sie sind in diesem Sinne bewegungs- bzw. körperorientiert, die Aufmerksamkeit ist beim Körper bzw. seinen energetischen Zentren zu halten. Auf Affirmationen verzichte ich ganz. Affirmationen sind Vorstellungen wie: Ich gehe über eine friedliche Wiese und bin ganz bei mir. Schmetterlinge ... Diese Vorstellungen verstellen den Blick auf das Wesentliche. Ich beziehe mich dabei auf folgendes Modell:
Körperform, Bewegungsmodus und auch Gesichtsform werden im Laufe von Lebensjahren und Jahrzehnten vom Lebensgefühl und dem zu Folge von allem was man tut oder lässt geprägt. Die scheinbar unabänderlichen Gene werden im Lebensvollzug umaktiviert. Treten körperliche Dysfunktionen auf, so haben sie ihren Ursprung im psychischen Bereichen. Diese psychischen Ursachen behandeln zu wollen ist ein sehr häufig angezweifeltes Unterfangen ("Dieses ist eine Arztpraxis und keine Charakterschule, mein Herr!"), weshalb sich die Schulmedizin z.B. auch nicht um diese kümmert, sondern um die Symptome.
Das Modell ist aber auch umkehrbar. So findet über eine Klärung von Haltungs- und Bewegungsstrukturen auch eine Klärung psychischer Strukturen statt. Bemühe ich mich also um einen entpannten und lässigen Körper, so geht das nur Hand in Hand mit einem entspannten, lässigen Geist. In einem entspannten, lässigen Körper kann das Qi auf den dafür vorgesehenen Leitbahnen ausreichend fließen, entsprechend deiner ganz persönlichen Matrix.
Wir wollen diese Matrix aber nicht so ins Spiel bringen, wie es z.B. bei amerikanischen Politikern vorkommt, die tatsächlich erklären, im Namen Gottes unterwegs zu sein. Das ist eher eine Binsenweisheit, eine wichtigtuerische Behauptung. Wir sind das nämlich alle.
Körperliche Ebene: Die Übungen sind eine Gymnastik, die die Muskulatur kräftigt, dehnt, die Gelenke dreht und lockert. In den Bewegungen werden Muskelgruppen in ihren Meridianverläufen sehr differenziert angespannt und, das ist der wichtigere Teil, entspannt. Das Drehen und anflechsen der Gelenke stimmuliert von innen die dortigen Akupunkturpunkte. Diese Technik wirkt nicht nur auf die energetische, sondern auch (so ganz nebenbei) auf die muskuläre Situation, schult unsere neurologische Ansteuerung und Kontrolle des Körpers. Blick, Finger, Zehen, Wirbelsäule und was da noch so alles wären an bewegbaren Körperteilen, werden mit einbezogen. Ziel ist eine mühelose Beweglichkeit. Blockaden in ihrer physischen Manifestation werden dem Körper nach und nach "abgewöhnt". Diese Entblockierung körperlicher Strukturen reicht sich über die Meridiane durch an die Organe. Die Organe prosperieren und geben ihren Wohlstand an das Gemüt weiter.
Öffnende, schließende, hebende, senkende und spiralförmige Bewegungen regen die Energieumläufe an.
Mentale Ebene: Qigongübungen erfordern mentale Ruhe und emotionale Gelassenheit. Spaß ist nicht vonnöten, Lust bzw. Motivation ist unentbehrlich. Die Aufmerksamkeit gilt der Bewegungsqualität, der Atmung und wird zeitweilig auf bestimmte energetische Zentren gerichtet. So wird die Wahrnehmung des Körpers trainiert, die eintausend Gedanken des Alltags werden fortgehalten um schließlich bei einiger Übung ein konkretes Gefühl für das körperliche! Qi zu entwickeln. Zur mentalen Übung gehört es auch sich von Ehrgeiz zu befreien und dennoch ernsthaft und zuversichtlich zu üben. Ziel der Bemühungen ist die Fähigkeit, auch außerhalb der Übungsstunden entspannt im Hier und Jetzt sein zu können.
Die Atmung: Die Atmung nimmt eine Vermittlerrolle zwischen bewussten und vegetativen Funktionen des Körpers ein. Die Verlangsamung, Vertiefung und Rhythmisierung der Atmung im Qigong aktiviert alle regenerativen (parasympatischen) Vorgänge. In Abstimmung zu den Bewegungen und der geführten Aufmerksamkeit wird die Atmung benutzt um auch ihrerseits die Meridiane mit Qi zu "befüllen".
Neben traditionellen Einzelübungen vermittele ich folgende Übungsreihen:
- Qigong zur Stärkung von Knochen und Gelenken und zur Lockerung der Muskeln (Prof. Zhang, Peking)
- Das 49er Leitbahnen Qigong zur Stärkung des Immunsystems (Zhang)
- Die acht Brokate (Prof Jiao, Bonn/Zhang)
- Die 18 harmonischen Formen des Taiji Qigong (traditionell)
- Die 15 Ausdrucksformen des Taiji Qigongs (Jiao)
- Die acht allgemein gesunderhaltenden Übungen (Zhang)
- Das innerlich nährende Qigong - die vier Regulationen (Zhang)
- Qigong zur Regulation von Magen und Milz (Zhang)
- Die 18 gesunderhaltenden Übungen des Kaisers Quan Long (Prof. Hu, Peking)